Russland
nahm an vier von sechs Koalitionskriegen (1792-1814) gegen Frankreich teil. Zu
einer Teilnahme am Ersten Koalitionskrieg
(1792–1797) sah es sich nicht veranlasst, da dieser vor allem zum Ziel
hatte, die Auswirkungen der Französischen Revolution zu bekämpfen, welche
Russland vor allem aufgrund seiner Entfernung zu Frankreich nicht sonderlich
trafen. Am zweiten Koalitionskrieg
(1799-1802) dagegen nahm Russland teil, da sich Zar Paul I. als Großmeister
des Malteserordens verpflichtet fühlte, Maßnahmen gegen Frankreich zu
ergreifen, dessen General Napoleon Bonaparte im Frühjahr 1799 die Ordensritter
von der Insel Malta vertrieben hatte. Außerdem war Russland daran gelegen, den
wachsenden Einfluss Frankreichs im Mittelmeer einzudämmen. Der Koalition
schlossen sich u.a. Großbritannien und Österreich an. Ende 1799 trat Russland
wegen Meinungsverschiedenheiten mit Großbritannien über das Schicksal Maltas
sowie aus Misstrauen gegen Österreich aus dem Bündnis aus, da dieses nach Pauls
I. Gefühl aus den russischen Siegen den größten Nutzen für sich selbst zog.
| Zar Alexander I. (1777-1825), ein Porträt von George Dawe (1781-1829), der von dem Zaren zum Hofmaler am Hof in St. Petersburg ernannt wurde, entnommen aus Wikimedia |
Die Franzosen trugen den Sieg aufgrund der Uneinigkeit der Bündnispartner im Krieg davon, und Napoleon ergriff Ende 1799 die Macht in Frankreich. In den Jahren 1805 und 1807 hatte sich Russland nacheinander mit Österreich und Preußen verbündet, um dem weiteren Vordringen des Kaisers nach West- und Mitteleuropa Einhalt zu gebieten.[1] In den Kriegen zerschlug Napoleon nacheinander das Heilige Römische Reich Deutscher Nation einschließlich Preußens. Preußen verlor die Hälfte seines Territoriums im Frieden von Tilsit im Sommer 1807; die Bestimmungen dieses Friedens räumten Frankreich praktisch die Herrschaft über West- und Russland über Osteuropa ein. Alle beteiligten Staaten mussten außerdem der Kontinentalsperre gegen Großbritannien beitreten. In den Jahren nach 1809 verschlechterten sich die Beziehungen zwischen Russland und Frankreich; besonders schwerwiegend war die Tatsache, dass Russland die Kontinentalsperre gegen Großbritannien nicht mehr aufrechterhalten wollte, da diese der russischen Wirtschaft im hohen Maße schadete, während französische Händler mit Napoleons Billigung auf Umwegen Handel mit den Briten treiben durften.[2]
1812
überschritt Napoleon schließlich, ohne sich mit einer Kriegserklärung aufzuhalten, mit der „Grande
Armee“ die russischen Grenzen, nachdem beide Seiten lange Kriegsvorbereitungen
getroffen hatten. Für Napoleon wurde der Russlandfeldzug zum Debakel. Von
Frankreichs Niederlage ermutigt, stellten sich nun auch Österreich und Preußen
an die Seite Russlands. In den Befreiungskriegen wurde Napoleon endgültig
geschlagen, kurz darauf verbannt und dem Russischen Kaiser der Titel „Befreier
Europas“ verliehen. Im darauffolgenden Wiener Kongress, der Europa nach den Wirren und Kriegen neuordnen
sollte, setzte sich Alexander I. erfolgreich für die Restauration der Herrschaft
der Bourbonenkönige in Frankreich, die schonende Behandlung ihres Landes, die
Neutralität der Schweiz, die Unabhängigkeit der Ionischen Inseln sowie die
Angliederung Kongresspolens an Russland ein.
Außer
Gebietsgewinnen gewann Russland im Krieg nicht viel; die Kriegsanstrengung hatte
das Land ausgelaugt, es fehlte Schwung zu bitter benötigten neuen Reformen, und
Russland blieb weiterhin rückständig, wie es vor dem Krieg gewesen war. Als die
russischen Soldaten nach den Kriegen aus Westeuropa in die Heimat
zurückkehrten, redeten sie, unabhängig vom Dienstgrad, nur davon, wie gut das
Leben in fremden Ländern doch eingerichtet sei: „Warum es denn auch nicht bei
uns so sei?“[3]
Dessen ungeachtet trägt Russland an Napoleons Aus zweifellos einen großen
Anteil, wenn dieser auch weniger der Genialität der russischen Führung zu
verdanken ist, als vielmehr dem Widerstand des russischen Volkes und der
schlechten Planung des Russlandfeldzuges durch Frankreich.